Veranstaltungshinweise

Dienstag, 07. Dezember 2020

Mitgliederversammlung und Adventsfeier zum Jahresausklang

Wir wollen auf dieses bewegte Jahr zurück-, aber gleichzeitig nach vorne blicken. Im Anschluss an die Mitgliederversammlung werden Almuth Marianne Kroll (Sopran) und Karsten Scholz (Klavier) ein kleines Konzert zum Jahresausklang mit dem Titel „Klassisches zur Weihnachtszeit“ geben.

Danach lädt die DJG Hannover zu einem Imbiss und Beisammensein.

Hinweis: die Mitgliederversammlung findet unter Beachtung der aktuell gültigen Hygienemaßnahmen im Zusammenhang mit Corona statt. Nähere Hinweise erhalten Sie im Zuge der erforderlichen Anmeldung.
 
Programmablauf:
 
18.00 Uhr Mitgliederversammlung
 
Adventsfeier zum Jahresausklang:

19.30 Uhr  „Klassisches zur Weihnachtszeit“ mit Almuth Marianne Kroll (Sopran) und Karsten Scholz (Klavier)
 
20.00 Uhr  Imbiss  
 
Gesonderte Einladung

Beitragsseiten

„Hannover ist ein guter Ort!“

Lesereihe anlässlich „160 Jahre deutsch-japanische Freundschaft“ mit deutschen und japanischen Autor*innen.

Dr. Susanne Schieble, 1. Vorsitzende

In Kooperation mit der Buchhandlung an der Marktkirche und dem Kulturbüro der Stadt Hannover führten wir eine Lesereihe im Rahmen des Jubiläums „160 Jahre deutsch-japanische Freundschaft“ durch. Namhafte Autorinnen wie Marion Poschmann und Yoko Tawada sowie der renommierte Autor Matthias Politycki und die junge Schriftstellerin Hazuki Fukuda lasen aus ihren Werken und bewiesen so den kulturellen und intellektuellen Einfluss Japans.

Den Auftakt machte Marion Poschmann. Sie las am 21. September aus ihrem hoch gelobten Roman „Die Kieferninseln“, in dem sie ihren Protagonisten Gilbert Silvester auf den Spuren Bashos zu den Kieferninseln reisen lässt. Diese Reise wird ihn verändern, was nicht zuletzt an seinem japanischen Reisegefährten, dem jungen Studenten Yosa, liegt. Genaue Beobachtungen des Fremden in der Fremde der japanischen Alltagswelt und Gesellschaft, sein Staunen darüber und das Ver-rücken seines Geistes vermischen sich mit Surrealem und lassen so eine Wirklichkeit aufscheinen, die sich jenseits des Sinnlichen und Haptischen bewegt: leicht und transparent wie ein Haiku, assoziativ wie die japanische Sprache selbst, berückend schön wie die Haiku Bashos.

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Foto: M. Poschmann

Am 30. September folgte die ebenfalls hoch dekorierte Autorin Yoko Tawada, die u.a. mit dem Akutagawa-Preis, dem bedeutendsten Literaturpreis Japans, ausgezeichnet ist. Sie las aus ihren beiden letzten Romanen „Paul Celan und der chinesische Engel“ und „Sendbo-o-te“. Zudem trug sie einige Gedichte vor, die nicht zuletzt durch die lautmalerische Vortragsweise sehr eindringlich waren.

Yoko Tawada schreibt auf Deutsch und Japanisch, und ist dadurch die Autorin, die in einem transkulturellen Prozess steht und ihn gleichzeitig mitgestaltet. Sie ist dies umso mehr, als sie Wörter auf ihre Bedeutungen hin abklopft und mit feiner Feder auf die Risse zwischen Bezeichnetem und zu Bezeichnendem hinweist. „Heute zum Frühstück aß er das Wort Brot“, heißt es in „Paul Celan und der chinesische Engel.“
Veränderungen, Strömungen unter der Oberfläche der Gesellschaft, nimmt sie mit feinen Sensoren wahr, weil sie einerseits von außen darauf schauen kann und zugleich ein Teil von ihr ist. Davon zeugt ihr neuester Roman „Paul Celan und der chinesische Engel“, der am 23. November 2020, am 100. Geburtstag des Paul Celans, erschien.

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Foto: Y. Tawada

Die dritte Lesung gestaltete der renommierte Autor Matthias Politycki. Er las aus seinem neuesten Roman „Das kann uns keiner nehmen“. Zu Beginn merkte er zu Recht an, dass er erstaunt darüber sein, dass eine Deutsch-Japanische-Gesellschaft ihn zu einer Lesung aus einem Buch über Afrika einlud. Tatsächlich ist „Das kann uns keiner nehmen“ Polityckis persönlichster Roman und zugleich eine Hommage an Afrika. Darin erzählt er von einer Männerfreundschaft im Angesicht des Todes, von der großen Liebe und davon, wie zwei gegensätzliche Menschen wider Willen miteinander ins Gespräch kommen. Und zu einem Roadtrip aufbrechen, der ihnen jede Menge Ärger einbringt – und manch unverhoffte Erkenntnis über sich selbst und das Leben.

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Foto: M. Politycki

Gleichzeitig ist der Roman auch ein Buch über das Fremde, über Kommunikation, Empathie und ja! auch Humor in der Fremde und über das Zurechtrücken der eigenen Haltung und Sichtweisen. Er ist aber auch ein Roman des Zurechtrückens der vorgeblichen Gewissheiten in der Auseinandersetzung mit dem Fremden und wie wir in unserer angeblichen Liberalität in die Fallen tappen, die wir uns selbst gebaut haben.

Und damit schließt sich der Kreis auch zu Japan, und wir kommen vielleicht zu der Frage, die uns immer bewegt, wenn wir in die Fremde reisen: Wie können wir uns mit Haut und Haaren auf eine fremde Kultur einlassen. Sind wir überhaupt dazu bereit? Diese Frage war Ausgangspunkt für das sich an die Lesung anschließende Podiumsgespräch über Fremdheitserfahrungen in der Fremde, u.a. in Japan. Wie auch bei den beiden Lesungen zuvor waren die Gespräche inspirierend und spannend, denn die Beweg- und Hintergründe der Künstler*innen wurden auf diese Weise beleuchtet.

Den Abschluss der Reihe bildete die vierte Lesung mit der japanischen Schriftstellerin und Malerin Hazuki Fukuda. Im April 2020 erschien ihr erster Roman „Danke Leben, Danke Tod“. Es geht um die Teenagerin Maya, die nicht weiß, wie sie mit ihrem eigenen Leben und dem Tod umgehen soll. Sie beginnt zu hinterfragen, ob der Tod wirklich etwas Schlechtes sei. Allmählich heilt Maya ihre Beziehung zum Tod, bis sie lernt, ihn und das Leben aus einem hoffnungsvollen Blickwinkel zu sehen.

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Foto: H. Fukuda

Reflexionen über Vergänglichkeit, der Tod als Teil des Lebens und die Frage: was passiert, wenn wir sterben? sowie Ausschnitt- und Augenblickhaftes gehen im Roman eine Verbindung ein, die mit der Leichtigkeit eines Haiku daherkommt. Diese Leichtigkeit offenbart eine Tiefe, die an die Grundfesten der menschlichen existentiellen Fragen rührt. Dadurch entsteht ein Textgewebe der besonderen Art, das einerseits das Verhältnis von Leben und Tod, andererseits das Erwachsenwerden zum Inhalt hat: Durch die Auseinandersetzung mit dem Tod als Teil des Lebens findet die Protagonistin zu sich selbst – beides ist also nicht voneinander zu trennen. Gleichzeitig ist die Protagonistin Maya auf Spurensuche: was ist das Japanische in mir, was das Deutsche? Und was haben die zwei Kulturen mit meinem Verhältnis zu Leben und Tod zu tun?

Die Bilder, die Frau Fukuda passend zum gelesenen Text zeigte, illustrierten diesen auf vortreffliche Weise und streiften auch berührende Themen wie Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus. Die Lesung schloss mit einem nachdenklichen Unterton und der Frage: Wie weit sind wir in unserer Gesellschaft wirklich, Fremdes zu akzeptieren?

Den Gemeinden der Gartenkirche St. Marien und der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis möchten wir sehr herzlich dafür danken, dass sie ihre Tore für unsere Lesungen geöffnet haben. Ebenso danken möchten wir den Autorinnen und dem Autor für die anregenden Lesungen und die Gespräche im Anschluss. Es waren sehr berührende Begegnungen. „Hannover“, so schloss Matthias Politycki zum Abschluss seines Besuches in Hannover „ist ein guter Ort.“

 

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